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Aufgegriffen: Bildung ist in dieser Regierung kein Thema

Botschaft an die Lehrerinnen und Lehrer, Direktorinnen und Direktoren Youtuber Heinz Faßmann im Wendekreis eines Schnellbootes:  „Unser Bildungssystem - wie ein Tanker - unsichtbar …unsingbar … unsinkbar.“
Botschaft an die Lehrerinnen und Lehrer, Direktorinnen und Direktoren Youtuber Heinz Faßmann im Wendekreis eines Schnellbootes: „Unser Bildungssystem - wie ein Tanker - unsichtbar …unsingbar … unsinkbar.“

Aufgegriffen

 

von Gerhard Pušnik


Wer die Weihnachtsbotschaft des Bildungsministers auf youtube gesehen hat, hat sicher auch bemerkt, dass sie wohlwollend und wertschätzend, aber vor allem bemüht war. Die Ausspracheunschärfe bei seinem einleitenden Satz - „Unser Bildungssystem wird häufig mit einem Tanker verglichen, der ist äußerst robust und...“ da habe ich „unsingbar“ verstanden, mein Diktierprogramm „unsichtbar“ gehört, der Minister hat tatsächlich wohl „unsinkbar“ gemeint - war sicher kein Zufall.


Ob er dabei an das ministerielle Musikunterrichtsdebakel vom Frühjahr gedacht hat, sei dahingestellt. Tanker sinken in der Tat eher selten, umso häufiger sind sie irgendwo aufgefahren, sind auseinandergefallen und haben zu verheerenden Umweltkatastrophen beigetragen.

In diesem Sinne ist der Tanker-Vergleich stimmig: Das österreichische Bildungssystem geht zwar nicht unter, aber es wird an die Wand gefahren, die Folgen der Fehler auf der Regierungskommandobrücke sind verheerend.
Bildung wird unter türkiser Verantwortung weiter banalisiert. Wird von Schule gesprochen, sind Aufbewahrung und Betreuung gemeint. Lehren und Lernen wird als Vorbereitung auf Schularbeiten gesehen. Zusatzstunden für Schüler*innen gibt´s, damit Leistungsfeststellung ermöglicht werden kann. Am Stundenplan wird festgehalten, auch wenn er nicht mehr einzuhalten ist. Damit nicht genug, das Bildungsministerium gesteht mittlerweile ein, seiner eigentlichen Aufgabe – nämlich „bildungsbenachteiligte Schülerinnen und Schüler“ entsprechend zu fördern - nicht mehr nachkommen zu können und transferiert den Bildungsauftrag an Organisationen wie Caritas, Diakonie und Jugendrotkreuz weiter. Der Minister zwackt dafür bei einem anderen Budgetposten eine läppische Million € ab. Aber auch diese Ungeheuerlichkeit bleibt in Österreich ohne Folgen.

Die Vorstellung, die Schüler*innen und Lehrer*innen vor Infektion zu schützen und gleichzeitig effektiven Unterricht (musizieren, zeichnen, basteln, reden, streiten, forschen, entdecken, bewegen, diskutieren, nachdenken, hinterfragen) in Kleingruppen zu ermöglichen, ist bis heute im Ministerium nicht angekommen. Die Weitsicht dieser konservativen Mann(!)schaft reicht nicht bis zur Reeling. Mit ihren hilflosen Aktionen verheddert sie sich in Erlässen und Verordnungen, die hinfällig sind, bevor sie veröffentlicht wurden.

Die steigende Ablehnung der bildungspolitischen Maßnahmen ist berechtigt, weil wir tagtäglich sehen, wie das öffentliche Bildungswesen mutwillig und nachhaltig ruiniert wird. Weil sie die Lehrer*innen bis heute in vollgestopfte Klassen schicken, weil sie ganze Lehrer*innengruppen der Sonderpädagogik mit ihren Sorgen und Nöten einfach ignoriert und im Stich gelassen haben. Weil sie das Infektionsgeschehen in Schulen geleugnet und zurechtgelogen haben. Weil ihnen die Bildung der Mehrheit der Kinder und Jugendlichen kein Anliegen ist. Denn sie wissen: für sich und ihresgleichen finden sie immer noch – also auch in Zukunft – die passende Privatschule. Der Anspruch „alle alles zu lehren“ (Comenius) ist im 21. Jahrhundert ein unterdotiertes EU-Austauschprogramm und Bildung rangiert unter Türkis-Grün nicht nur weit hinter der Skilift- und Seilbahnwirtschaft, sie ist in dieser Regierung einfach kein Thema.

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