" Systemsprenger" - Film und Förderklassenwirklichkeit

Claudia Astner: " Systemsprenger" - Film und Förderklassenwirklichkeit  Bild: Astner
Claudia Astner: " Systemsprenger" - Film und Förderklassenwirklichkeit Bild: Astner

Systemsprenger…. nicht nur im Kino

 

von Claudia Astner


„Systemsprenger“ heißt ein Film der deutschen Regisseurin Nora Fingscheidt, der derzeit in den heimischen Kinos läuft.
 
Die neunjährige Benni muss immer wieder zu neuen Pflegefamilien bzw. in neue Wohngruppen. Es gibt keinen Platz in ihrem Leben, an dem sie ausgehalten wird. Jede neue Chance, die sie erhält, macht sie mit unkontrollierten Impulsdurchbrüchen zunichte.
Benni will nur bei ihrer Mutter sein. Doch die hat sie abgegeben, weil sie nicht mehr kann, sie fürchtet sich vor ihr und hält sie nicht aus.
Auch das Jugendamt, das System, sind mit Benni heillos überfordert.
 
Ich bin Lehrerin und arbeite in einer Förderklasse. Förderklassen sind Kleinklassen, die Kinder und Jugendliche betreuen, die sozial und/oder emotional so belastet sind, dass ein Verbleib in der Großgruppe nicht möglich ist. Zu zweit versuchen wir Kindern wie Benni Halt zu geben, ihre soziale Kompetenz zu verbessern, ihnen in der Schule einen Platz zu bieten, an dem sie zur Ruhe kommen können.
In einem Schulsystem wie dem unseren ist das gar nicht so einfach. Leistung ist gefragt in unserer Zeit. Jede/r muss vom ersten Schultag an seinen/ihren Beitrag leisten. Anders sein könnte leistungswillige, leistungsfähige MitschülerInnen in ihrem Fortkommen bremsen. Das ist die Angst vieler Eltern, vieler LehrerInnen.
Also muss es aufhören – dieses Anders-sein. Das sehen auch die für Schule verantwortlichen PolitikerInnen so. Lösungen müssen gefunden werden. Sofort. Schnell. Und vor allem kostenneutral.
 
Täglicher Überlebenskampf
Während alle politisch Verantwortlichen fieberhaft überlegen, kämpfen  Benni, ihre LehrerInnen, Eltern/Betreuer und viele unbeteiligte Kinder buchstäblich ums tägliche Überleben im Klassenzimmer. Manche Kinder lassen sich mit den altbekannten Methoden in einer Gruppe von 25 oder auch mehr einfach nicht mehr bändigen. Rufe nach Supportpersonal werden laut. Das verstehen die PolitikerInnen, das finden sie auch gut – nur leider kann sich das Bildungsressort diesen Support derzeit nicht oder nur völlig unzureichend leisten.
 
Zurück zur Straf-Pädagogik statt finanzieller Unterstützung
Aber die PolitikerInnen präsentieren umgehend andere Lösungen:

  • Schluss mit der Kuschelpädagogik und den Reformen der letzten Jahre! Spätestens im zweiten Schuljahr müssen die Kinder wieder „ordentlich“ - mit Ziffernnoten – benotet werden. Damit sie und alle an der Erziehung beteiligten Menschen „objektiv“ feststellen können, ob die Leistung des Kindes entspricht oder nicht.
  • Eltern müssen wieder mehr in die Verantwortung genommen werden! Und wenn sie diese nicht wahrnehmen wollen (oder können), dann werden Geldstrafen angedacht und auch verhängt. Das hilft! Bestimmt! Strafen wirken!

Schulalltag für Benni verschärft
Doch all diese Maßnahmen lassen Benni in unseren Klassenzimmern kalt.
Dabei ist sie gar nicht ignorant. Wer den Film sieht, merkt ganz schnell: Das Mädchen ist unglücklich! Sehr sogar! Sie möchte gefallen, „brav“ sein, geliebt werden. Und doch gelingt es ihr nicht. Sie ist gefangen in sich selbst, in ihren Verhaltensweisen. Was sie braucht sind Menschen, die ihr zur Seite stehen, Menschen, die sie begleiten und unterstützen – sie braucht Support.
Und da schließt sich der Kreis zum Schulalltag: In jeder Gesellschaft gibt es Menschen, die anders sind, die nicht so richtig dazu passen. Das kann kein wie auch immer geartetes Schulsystem verhindern. Wir LehrerInnen brauchen Unterstützung in Form von BeratungslehrerInnen, PsychagogInnen, SozialarbeiterInnen, PsychologInnen, TherapeutInnen oder BetreuerInnen – um Kinder, die es brauchen, in ihrem Schulalltag zu unterstützen. Nur so können wir dazu beitragen, dass Schicksale, wie das von Benni, in unserer Gesellschaft minimiert werden. Kostenneutral wird das nicht gelingen, gewinnbringend wäre es für alle.
ca

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„Mag nicht, weiß nicht, kann nicht ...“

„Mag nicht, weiß nicht, kann nicht: Was tun gegen Motivationsprobleme?“  Bild:spagra
„Mag nicht, weiß nicht, kann nicht: Was tun gegen Motivationsprobleme?“ Bild:spagra

Vorschau:

Vortrag Dr. Beate Großegger

Freitag 15. November 2019 

19:00 uhr

 

„Mag nicht, weiß nicht, kann nicht: Was tun gegen Motivationsprobleme?“

 

Gut vorbereitet und hoch motiviert steht die Lehrerin vor ihrer Klasse. Sie hat sich gut überlegt, wie sie den geplanten Stoff den Schüler*innen näherbringen möchte. Bei der anschließenden Lernkontrolle merkt sie, dass sie zu den Jugendlichen nicht durchgedrungen ist, dass alles andere wichtiger war als das, was gerade gelernt werden sollte, dass Lernen so, wie sie es kennt, nicht auf dem Plan der jungen Menschen steht. Sie muss erkennen, dass sie mit ihren Mitteln viele dieser jungen Menschen nicht erreicht hat.
Wie ticken junge Menschen heutzutage? Wie lassen sie sich motivieren? An welcher Schraube kann man drehen, damit Jugendliche im Schulunterricht Anregung finden, sich in Wissens- und Kompetenzbereiche zu vertiefen und fachbezogene Skills zu erwerben? Was tun, damit sie am Lernen vielleicht sogar Spaß finden?
Einfache Antworten gibt es hier nicht. Allerdings gibt es ein paar Schlüsseleigenschaften, die für die heutige Jugendgeneration typisch sind und die zu kennen unverzichtbar ist, um Motivationsproblemen effektiv gegenzusteuern.

Die Referentin
Dr. Beate Großegger ist Mitbegründerin sowie stellvertretende Vorsitzende des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien und seit 1996 erfolgreich in der angewandten Sozialforschung tätig. Seit 2001 leitet sie die Forschungsabteilung des Instituts für Jugendkulturforschung. 2011 wurde sie für gendersensitive Jugendforschung mit dem Käthe-Leichter-Preis für Frauenforschung, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt ausgezeichnet.
Beate Großegger verfasste zahlreiche Fachpublikationen und ist als universitäre Lehrbeauftragte tätig. Sie gilt über die Grenzen Österreichs hinaus als Expertin für Jugend und Generationen.
km

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Veranstaltungen zum Gedenken an Carl Lutz

Bild: ausschnitt Foto Archiv für Zeitgeschichte ETH Zürich/Agnes Hirschi: NL Carl Lutz/270
Bild: ausschnitt Foto Archiv für Zeitgeschichte ETH Zürich/Agnes Hirschi: NL Carl Lutz/270

Veranstaltungen zum Gedenken an Carl Lutz,
den vergessenen Retter tausender Jüdinnen und Juden

Dokumentarfilm

„Carl Lutz – der vergessene Held“
Metrokino Bregenz im Rahmen des Filmforums
Donnerstag, 7. 11. 2019, 20:00 Uhr

Ausstellung

„Carl Lutz und das legendäre Glashaus“

Herz-Jesu-Kirche in Bregenz
Eröffnung: Freitag, 8. 11. 2019, 18:30 Uhr
Dauer der Ausstellung: 9. bis 29. 11. 2019, geöffnet jeweils von 8 - 19 Uhr (außer Sonntag)

Wort-Gottes-Feier

christlicher Kirchen von Bregenz im Gedenken an Carl Lutz
Herz-Jesu-Kirche Bregenz
Sonntag, 10.11.2019, 19:30

 

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