Krisen-Matura: Mehr Fragen als Klarheiten

Krisen-Matura: Mehr Fragen als Klarheiten Bild:spagra
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Eine Analyse von Gerhard Pušnik
 
„Wie bereits von Regierungsspitze und Krisenstab festgehalten, findet die Zentralmatura 2020 statt.“

Mit der RP 2020 findet „die Auferstehung des normalen Lebens statt.“ Die Schüler*innen und Lehrer*innen sind die ersten, die nach den Ärzt*innen, Pfleger*innen, Kassier*innen in Lebensmittelgeschäften u.a. die Gewöhnung und den Umgang mit dem Virus üben und lernen müssen. Der Krisenstab hat das so beschlossen, daran ist nicht zu rütteln.

Bisher galten als dringende Empfehlung: der zwei Meter Abstand, kein Händeschütteln, Mund-Nasen-Schutz als unverzichtbare Schutzmaßnahmen gegen die Infizierung.
Um den Schein der Sicherheit zu erwecken, werden nun für die Matura neue Maßnahmen erfunden: ein Hygiene-Handbuch, Intervall-Lüften, Desinfizierung der Schülerbänke.

ÖVP-nahe Schülervertreter*innen sind mit diesem Fahrplan einverstanden und verlangen Maßnahmen, um das Stigma „des Corona-Jahrganges“ loszuwerden! Es geht nicht darum, reife und kompetente, kritische und wissbegierige, selbstbewusste und soziale junge Menschen an die Unis und ins Leben zu entlassen, sondern darum, ein Image zu polieren. Die Schülervertretung tut so, als wären die österreichischen Maturant*innen die einzigen auf dieser Welt, die von dieser Krise betroffen sind. Andere Länder haben das „Abi“ oder „Bac“ einfach abgesagt.

Der Zeitpunkt der angesetzten schriftlichen Matura fällt genau in den Zeitraum des von Gesundheitsminister Anschober immer wieder vorausgesagten Peaks. Vielleicht fällt der aus, weil die Matura angesagt ist?
 
Mehr Fragen als Klarheiten


Der neue „Fahrplan Zentralmatura und Berufsschulabschluss Schuljahr 2019_20"

„Der Unterricht für Maturaklassen beginnt am 4. Mai 2020. Die Maturantinnen und Maturanten erhalten dann drei Wochen lang gezielte Vorbereitung an den Schulen.“

Fragen:

  • In diesen 3 Wochen findet in der Schule nur die Vorbereitung auf die schriftliche Matura statt?
  • Die anderen Gegenstände werden alle schon vorher abgeschlossen sein?
  • Sind alle Schüler*innen einer Klasse in einem Raum oder werden die Schüler*innen auf zwei und mehrere Räume aufgeteilt?
  • Praktischerweise wird es Blockunterricht geben, was machen die LuL, die die SchülerInnen auf die Maturaklausuren vorbereiten mit ihren anderen Klassen? Weiterhin parallel Online-Unterrichten?
  • Lehrer*innen, die zu einer der Risikogruppen gehören, werden weiterhin ihre Maturaklasse im Fernunterricht betreuen?

„Schülerinnen und Schüler, die einer Risikogruppe angehören, werden weiterhin via Distance-Learning betreut."

Fragen:

  • Die Lehrer*innen bereiten ihre Klasse in der Schule vor und anschließend im Fernunterricht die Schüler*innen, die einer Risikogruppe angehören?
  • Bedeutet das dann auch, dass „Lehrerinnen und Lehrer, die einer Risikogruppe angehören, arbeiten weiterhin via Distance-Learning."
  • Was ist mit älteren Kolleg*innen, die zwar vielleicht selbst grad noch nicht in der Risikogruppe sind, aber einen Lebenspartner in dieser haben? Gehen diese Lehrer*innen dann nach jedem Unterrichtstag in der Schule 14 Tage in freiwillige Quarantäne?

„Die mündliche Matura entfällt, es sei denn, ein Kandidat/eine Kandidatin wünscht, dass er/sie in einem oder mehreren Gegenständen mündlich geprüft wird."
Frage:

  • Wie kann verhindert werden, dass übereifrige Schulleitungen die jungen Leute motivieren, in jedem Gegenstand, in dem „die Note des letzten Schuljahres [=] die Maturanote“ nicht „Sehr gut“ war, sich zur mündlichen Matura anmelden?

  • Zwischenfrage: Die Bezahlung der Abschlussklassen läuft bisher so, als ob deren Unterricht Anfang Mai endet. Bisher hab ich noch nirgends gelesen, dass das Unterrichtsjahr der Abschlussklassen verlängert wird. Wird es? Wenn nicht: Ist dann der Unterricht ab 4. oder 5. Mai bezahlungsmäßig so wie die Maturavorbereitung, die normalerweise auf die mündlichen Fächer erfolgt, nur diesmal auf die schriftlichen? (Allerdings klingt die Beschreibung nach viel mehr Unterricht.) Was aber ist, wenn jemand auch mündlich maturiert: Sind dann auch die Vorbereitungsstunden dafür zu halten?

„04.05. bis 15.05.2020: Möglichkeit von Leistungsfeststellungen vor Ort:
Schülerinnen und Schüler sollen in dieser Phase in jenen Fächern, in denen dies notwendig ist, Leistungsfeststellungen an den Schulen absolvieren können (z.B. schriftliche Leistungsfeststellungen). Dies ist vor allem für jene Schüler/innen wichtig, die noch eine positive Note erreichen müssen, um zur Matura anzutreten."
Frage:

  • Heißt das, dass nur drohende Nichtgenügend zu Prüfungen berechtigen. Und dass es ab 4.5. keinen Unterricht außerhalb der Maturafächervorbereitung gibt?

Zudem:
Um Gefährdungen von Lehrer*innen und Schüler*innen vermeiden zu können, braucht es jedenfalls mehr Lehrer*innen als Klassen an der Schule (Gruppenteilungen, Aufsichten, ..). Wie wird die Sicherheit aller gewährleistet?

Wird es dazu Durchführungsbestimmungen geben oder muss jede Schule sich selbst Gedanken darüber machen?

Es wird ab 04.05. neue Diensteinteilungen (Stundenpläne) geben, dazu muss mit den DA das Einvernehmen hergestellt werden.

Gerhard Pušnik ist

Vorsitzender der Vorarlberger Lehrer*innen Initiative (VLI),

Stellvertretender Vorsitzender der Österreichischen Lehrer*innen Initiative (ÖLI),
Stellvertretender Vorsitzender des Zentralausschusses der AHS (ZA AHS),
Vorsitzender des Fachausschusses der AHS Vorarlberg (FA AHS),
Beratendes Mitglied des Vorstandes der Unabhängigen Bildungsgewerkschaft (UBG)

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Fahrplan Matura und Lehrabschluss - Ohne Gewähr!

Fahrplan Matura und Lehrabschluss - Ohne Gewähr! Bild:spagra
Fahrplan Matura und Lehrabschluss - Ohne Gewähr! Bild:spagra

Die Chancen, dass dieser "Fahrplan" hält, stehen bei 50%.

 

Beachte: Die Chancen, dass dieser „Fahrplan Zentralmatura und Berufsschulabschluss 2019/20“ – also die Durchführung der Matura – wirklich umgesetzt werden kann, hängt vor allem von der Entwicklung der Covid 19 – Pandemie in den nächsten vier bis sieben Wochen ab. Die Chancen stehen also bei 50%.

 

Also es liegt nicht in der Hand des Ministers, könnte man meinen.

Aber da kommt die (vielkritisierte) Vollmacht ins Spiel, die ihm das Parlament mit den Stimmen der Türkisen, Grünen und der SPÖ verliehen hat. Es bleibt uns nur die Hoffnung, dass Faßmann es zumindest in diesem Fall schafft, eine unumstrittene Entscheidung zu treffen.

 

Wie berichtet, hat heute Minister Faßmann verkündet, dass die Matura 2019/20 für alle BHS und AHS am 25. Mai beginnt.

 

Für die Abschlussprüfungen der BMS gilt "Ähnliches wie für die Matura"?


Die Abschlussprüfungen der berufsbildenden mittleren Schulen (BMS), gilt Ähnliches wie für die Matura. Die abschließenden Prüfungen sollen in adaptierter Form durchgeführt werden. Unter strengen Hygieneauflagen. Was „Ähnliches“ bedeuten soll – zum Beispiel: dieselben Prüfungstermine, nur Fachpraktischer Teil – konnte weder Faßmann in seiner PK erläutern, noch geht es aus der schriftlichen Information des Ministeriums hervor.


Das was der Bildungsminister in seiner Pressekonferenz verkündete gibt es jetzt auch detaillierter in schriftlicher Form.
>>> Download

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Matura nur schriftlich ab 25. Mai - aber schon mit ein wenig mündlich!

Matura nur schriftlich ab 25. Mai – aber schon mit ein wenig mündlich! Bild:spagra
Matura nur schriftlich ab 25. Mai – aber schon mit ein wenig mündlich! Bild:spagra

Schriftliche Matura nur in drei Fächern - Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache. Aber mündliche Prüfungen sind auch möglich.

 

Die Schule öffnet für die Maturant*innen ab 4. Mai ihre Türen.


Die in den letzten Tagen erfolgte Kritik großer Teile der Gewerkschaften der Lehrer*innen – UBG, ÖLI-UG und FSG, der Schülervertretung – AKS und Bildungswissenschaftler*innen, ist offenbar nicht bis zu Bildungsminister Faßmann vorgedrungen. „Das war zu erwarten. Das prägte die Arbeitsweise Faßmanns von Anbeginn seiner Ministertätigkeit. Wie bisher berät er sich fast ausschließlich mit Lehrervertreter*innen - FCG, Schülervertreter*innen (UHS) und Expert*innen, die seinem konservativen politischen Lager zuzurechnen sind", ärgert sich ein Mitglied und Personalvertreter der UBG.

 

Die Matura wird also heuer im Mai stattfinden. Trotz der Corona-Krise. Dafür nur schriftlich, verkündet Faßmann in der heutigen Pressekonferenz. Das stimmt aber nur, wenn kein Prüfling mit Nicht Genügend beurteilt wird oder wenn ein auch positiv beurteilter Prüfling eine mündliche Prüfung wünscht, räumte der Minister auf Nachfrage ein. Was scheinbar für den Minister eher unwahrscheinlich ist, redet er doch immer nur von einer "nur schriftlichen" Matura.

 

Das entschied der Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) auf Basis seiner (vielkritisierten) Vollmacht, die ihm das Parlament mit den Stimmen der Türkisen, Grünen und der SPÖ einräumten. Politisch kann dagegen also nichts mehr unternommen werden.
Die Noten im Maturazeugnis setzen sich aus dem Ergebnis der schriftlichen Prüfung und den Noten des Halbjahreszeugnisses zusammen. In welcher Form und mit welcher Gewichtung die Noten der 5 Klasse (BHS) bzw. der 8. Klasse (AHS) in die Gesamtnote einfließen, weiß der Minister noch nicht. Wer ein Nicht Genügend erhält, kann dieses im Juni bei einer Kompensationsprüfung ausbessern. Auch wird es bei entsprechendem Schülerwunsch möglich sein, die Matura zusätzlich mündlich zu absolvieren.
Fix ist – wenn sich das Virus an die angenommene Entwicklung der Pandemie hält: Der Unterricht in den Maturaklassen startet mit 4. Mai, die Reife- und Diplomprüfung findet ab 25. Mai statt. Wer ein Nicht Genügend erhält, kann dieses im Juni bei einer Kompensationsprüfung ausbessern. Auch wird es bei entsprechendem Schülerwunsch möglich sein, die Matura zusätzlich mündlich zu absolvieren.


Die Dauer der Klausurarbeit wird um eine Stunde verlängert. Die Sitzordnungen können mit nötigem Abstand gewahrt werden, nimmt der Minister an und alle Maturant*innen werden einen Mundschutz bekommen, bestimmt der Minister.


Wichtiges wurde bei dieser Entscheidung nicht berücksichtigt. So konnte Faßmann die Bedenken im Zusammenhang mit der Durchführung der Prüfungen bezüglich der gesundheitlichen Gefährdung sowohl der Lehrer*innen als auch der Schüler*innen, die Gefahr der negativen Auswirkungen auf die Entwicklung der Pandemie nicht zerstreuen.

 

Vor allem ist und bleibt die Matura eines: UNFAIR.

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