· 

Unsere Forderung: Zwei Lehrer*innen in jede VS-Klasse

Bild:spagra
Bild:spagra

Starke Unterstützung unserer Forderung nach zwei Lehrer*innen in jeder Volksschulklasse kommt von kompetenter wissenschaftlicher Seite.

Von einem, der sich die Ergebnisse des Bildungssystems dort genau angesehen hat, wo sie schließlich auch von Bedeutung sind. Bei den Kindern und Jugendlichen.

Die Rede ist von Michael Winterhoff, Kinder- und Jugendpsychiater aus Bonn.

In seinem aktuellen Buch "Deutschland verdummt", zeigt er, was derzeit in den Schulen falsch läuft. Und zwar gefährlich falsch. Die bisher von der Wissenschaft unwidersprochenen Ergebnisse seiner Forschung und seine entsprechende Analyse dazu zeigen, dass wir auf eine Katastrophe zulaufen. Und Schuld daran ist laut Winterhoff die Entwicklung, die die Pädagogik genommen hat.

„Denn so, wie unsere Gesellschaft funktioniert, wird sie mit den Kindern und Jugendlichen, die derzeit heranwachsen, nicht weiterbestehen. Den Kindern fehle soziale Kompetenz, in Jobs sind das die sogenannten Soft Skills. Ein Gespür für Situation, das Setzen von Prioritäten, das Erkennen von Handlungsbedarf – Fehlanzeige. Auf 50 Prozent der Kinder trifft das heute zu“, sagt Winterhoff im Interview mit dem Stern. Und er führt diese Entwicklung nicht auf mangelnde Erziehung zurück, sondern auf die fehlende "erworbene Intelligenz". Den Kindern fehle für eine Auseinandersetzung eine „menschliche Person“ als Gegenüber.
Und dann redet der Tiefenpsychologe und Analytiker, Klartext: Die Entwicklung des Bildungswesen hin zum überwiegenden autonomen und individuellem Lernen, die Lehrer*innen und Erzieher*innen, zu Lernbegleiter*innen degradiert.

Seine Forderung: „Zwei Lehrer*innen in der Grundschule auf 15 Kinder!

 

Winterhoff im Stern-Interview: „Ich fordere die Umstellung, dass wir Lehrer wieder als Lehrer sehen, dass Erzieher wieder Erzieher sind. Die können wir sofort machen, die kostet noch nicht mal Geld. Aber wir müssen, wenn uns die Kinder wichtig sind und wir als Gesellschaft Menschen haben wollen, die so leben können wie wir, investieren. Ich brauche in der Grundschule auf 15 Kinder zwei Lehrer oder einen Lehrer und einen Erzieher. Ich brauche das auch in der Nachmittagsbetreuung in der Offenen Ganztagsschule, da ist der Schlüssel aktuell 1:25 und diese Person ist oft noch nicht mal Erzieherin.“
Denn das Entscheidende sei die die Bindung, die Orientierung des Kindes am Gegenüber. Wenn die fehlt, kann sich diese Psyche nicht bilden, stell Winterhoff klar: „Das Wichtigste, das wir im Leben brauchen, ist nicht lesen, schreiben, rechnen zu können, sondern dass wir über diese Psyche verfügen…… Die wichtigsten Jahre, die das Kind hat, sind die ersten zehn, im Schwerpunkt die ersten sechs. Wenn Eltern das nicht leisten können – und das können immer mehr nicht –, dann müssen die Systeme außerhalb übernehmen. Wenn die aber in Richtung autonom lenken, sind die Kinder verloren.“

"Deutschland verdummt – Wie das Bildungssystem die Zukunft unserer Kinder verbaut" von Michael Winterhoff, Gütersloher Verlagshaus, 20 Euro

Kommentar schreiben

Kommentare: 0