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Hinter den Kulissen – für Chancengleichheit in Bildung und Gesellschaft

Sonntagsdemonstrationen für ein menschlicheres Fremden- und Asylrecht  „Sonntagsdemo Bregenz-Hafen am 15.09.2019 Bilder:Gerhard Rüdisser
Sonntagsdemonstrationen für ein menschlicheres Fremden- und Asylrecht „Sonntagsdemo Bregenz-Hafen am 15.09.2019 Bilder:Gerhard Rüdisser

Sonntagsdemonstrationen für ein menschlicheres Fremden- und Asylrecht am 15.09.2019 Bregenz - Hafen

 

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Hinter den Kulissen

– für Chancengleichheit in Bildung und Gesellschaft

 

Ein Bericht von Daniela Egger

An die 700 Menschen fanden am Sonntag den 15. September ihren Weg zum Bregenzer Hafen, um gemeinsam mit der Bewegung uns reicht´s – es reicht für alle und Prim – Plattform für reformpädagogische Initiativen & Mehr, Unabhängige Bildungsgewerkschaft und Arge Gemeinsame Schule, zum bereits 24. Mal ein deutliches Zeichen zu setzen – diesmal unter dem Motto „Für Chancengleichheit in Bildung und Gesellschaft“.

Rückwärtsgewandte Bildungspolitik
Der Blick hinter die Kulissen wurde durch die Auswahl der Vortragenden gewährleistet, und zum Einstieg trugen Pädagogin Petra Hochschwarzer und Schauspieler und Pädagoge Michael Schiemer gemeinsam einen Text von Karl Valentin vor. Dieser spielt mit dem Begriff des Fremden, und zeigt mit doppelbödigen, valentinschen Wendungen, wie brüchig die Idee dieses Wortes ist. Ebenso brüchig wie das demokratische Verständnis mancher Regierungsparteien, wie Werner Bundschuh im Anschluss in seiner Rede ausführte. Der Historiker und Obmann der August-Malin-Gesellschaft schlug einen Bogen zur aktuellen Bildungspolitik, die zurück in alte Strukturen und festgefahrene Ideen führt, die er schon in seinen jungen Jahren öffentlich anprangerte. Ebenso verwies er unter anderem auf ein gescheitertes FPÖ-Volksbegehren aus dem Jahr 1992, das damals nur 7,2 % Stimmen erhielt – heute aber zum türkisen Regierungsprogramm geworden ist.

Migration ist nicht gleich Immigration
Stephanie Gräve, Intendantin des Vorarlberger Landestheaters trat mit mutigen Ausführungen auf das Podium und machte deutlich, wie utopisch auch die Idee einer „Festung Europa“ sein muss. Schon jetzt liegen Zahlen und Fakten klimatischer Veränderungen vor, die eine Unterscheidung von Immigration und Migration erfordern. Wir stehen am Beginn großer Migrationsströme, und das Recht auf eine weltweit geltende freie Niederlassung wird eine der unausweichlichen Folgen dieser Bewegungen werden. „Es ist an der Zeit, dass wir uns dieser Entwicklung stellen, dass wir lernen, neue Konzepte des Zusammenlebens für eine veränderte Gesellschaft zu entwickeln,“ war eines der Statements von Stephanie Gräve.

Falter-Herausgeber und Autor Armin Turnher warf dann einen Blick hinter die Kulissen der österreichischen Medienlandschaft, und verwies auf die demokratiegefährdenden Mechanismen von Fake-News und Spins, um von kriminell anmutenden Machenschaften abzulenken. Dabei fand er Parallelen in der engagierten Arbeit der Sonntagsdemonstranten und der journalistischen Arbeit des Falters. „Wir kämpfen beide für eine weniger verlogene Öffentlichkeit. Sie kämpfen für ein menschliches Asylrecht, wir decken Machtmissbrauch auf. Beides gehört zur demokratischen Freiheit. Anders als Herr Thiel meint, ist Freiheit ohne Demokratie wertlos. Und Demokratie ohne Freiheit gibt es nicht“, so Armin Turnher. Dabei gratulierte er den Anwesenden für ihre Beharrlichkeit und den Mut, sich nicht einer Ideologie wegen zu engagieren, sondern für das, was man früher „Bürgersinn“ nannte. Der Bürger, der sich als Souverän begreift und für Menschlichkeit einsteht.

Die Musik von Andreas Paragioudakis und Christos Sdertsos unterstrichen mit ihren interaktiven Musikeinlagen den Gemeinschaftssinn, der auch die zweite Performance von Michael Schiemer über die fiktiven Worte eines „ehrlichen FPÖ-Politikers“ von Marc Andeya-Trefny erträglich machte.

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