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Reaktionen auf den Schullockdown: Durchwegs negativ!

Distance Learning bei "offenen Schulen"? Das geht gut, sagt Kurz, Faßmann und Kogler  Bild:spagra
Distance Learning bei "offenen Schulen"? Das geht gut, sagt Kurz, Faßmann und Kogler Bild:spagra

Die Reaktionen nach der Pressekonferenz von BM Faßmann zum coronabedingten Lockdown der Schulen sind geprägt von heftiger Kritik. Der Ärger der von der Schulschließung Betroffenen ist verständlich, hatte es doch die Regierung, allen voran BM Faßmann in den letzten Monaten sträflich verabsäumt mit geeignete Maßnahmen die Schulen vor der zu erwartenden 2. Welle der Coronainfektionen im Herbst zu schützen.

Siehe dazu: https://www.dieubg.at/ministergohome/

Die größtenteils sachlichen und gut argumentierten Kritiken, die negativen Folgen des jetzigen Schullockdowns, die weit über den Bildungsbereich hinaus wirken, verursacht durch das Missmanagement im Bildungsministerium und die unerträgliche Resistenz vor Selbstkritik verlangen zwingend Konsequenzen: Würde Bildungsminister Faßmann politisch korrekt die Verantwortung übernehmen, müsste er sein Ministeramt zurücklegen. Er würde damit seinen Platz frei für Menschen machen, die dieser Aufgabe gewachsen und imstande sind das Bildungssystem positiv voranzubringen und die Bildungseinrichtungen auch sicher durch Krisen zu führen.

Eine Zusammenfassung und kleine Auswahl der Statements, Kritiken und sonstigen Wortmeldungen.

„Da bleibt einem einfach nur die Luft weg“, meint zum Beispiel der Vorsitzende der Kinderfreunde Roland Schwandner. Von den Kinderfreunden in Oberösterreich kommt massive Kritik zu den Schulschließungen: Die Regierungsspitze mache genau das Gegenteil der Empfehlungen von Expertinnen und Experten.

 

Ein trauriger Tag für Österreich - Schulschließungen sind Folge von Untätigkeit der Bundesregierung
Die Österreichischen Kinderfreunde zeigen sich entsetzt, dass die Bundesregierung trotz aller warnenden Stimmen aus Wissenschaft, Politik und namhaften Bildungsexpert/innen nun auch den Lockdown für Bildungseinrichtungen ausgeweitet hat. „Die Folgen dieser Schließungen sind klar und werden von Bundeskanzler Kurz und Co bewusst in Kauf genommen“, so Christian Oxonitsch, Bundesvorsitzender der Österreichischen Kinderfreunde.
Selbst die Warnungen aus der Wirtschaft wurden in den Wind geschlagen. „Letztlich ist es eine Bankrotterklärung der gesamten Regierung, die seit Monaten gepredigt hat, die Schulen offen zu lassen und nun selbst ihr Versagen eingestehen muss“, so Oxonitsch weiter.

„KURZsichtigkeit mit Langzeitfolgen“ ortet Bildungsreferent LH Peter Kaiser (SPÖ)
„Kinder haben nicht nur eine Schulpflicht, sondern auch ein Recht auf Schule und Bildung, sowie soziale Kontakte“, so Kaiser. „Hier sprechen wir von einer KURZsichtigkeit mit Langzeitfolgen – denn hier wird vielen Kindern nachhaltig Schaden zugefügt, für den die Bundesregierung Verantwortung trägt“, so Kaiser.

Pflichtschulschließung erneut schlecht vorbereitet, attestiert Christian Moser, Geschäftsführer SOS-Kinderdorf, der Regierung zum den erneuten Lockdown:
Es kann nicht sein, dass man jetzt wieder die gesamte Last des Lehrens auf die Eltern abwälzt, weil man es nicht geschafft hat, geeignete Methoden für das Distance Learning von jüngeren Kindern zu finden, so Moser

Schadensbegrenzung: Wiener Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky auf twitter:
Jetzt muss alles getan werden, um Eltern nicht noch mehr unter Druck zu setzen und Kindern nicht alle Perspektiven zu nehmen. Das bedeutet, dass Bildungseinrichtungen für alle offen halten, die sie brauchen und vor Ort lernen wollen. Wichtig ist, dass es Lern-Unterstützung gibt.
Auch sollten Schularbeiten und Tests bis Ende des Jahres ausgesetzt werden. Ich möchte auch, dass darüber nachgedacht wird, wie die Matura in diesem Schuljahr aussehen soll - und ob es nicht besser wäre, sie diesmal auszusetzen.
Und bei den Kindergärten ist es wichtig, dass es weiterhin ein Angebot gibt, auch wenn das letzte Kindergartenjahr ausgesetzt wird: Alle Familien, die es brauchen und Unterstützung benötigen, sollen ihre Kinder weiterhin in den Kindergarten bringen können!

Heftige Kritik erntete Daniela Kittner für ihren Kommentar im Kurier: „Neuer Lockdown: Hoffentlich ist es das letzte Mal“
Besonders scharf wurde Kittner für ihre Aussagen zum Lockdown der Schulen kritisiert – zurecht, zeigt sie darin doch eine peinliche Ahnungslosigkeit vom realen Schulleben:Und an alle, die jetzt behaupten, dass wegen drei Wochen Fernunterrichts „den Kindern die Zukunft geraubt wird“: Das lässt sich beheben. Man könnte die verlorene Unterrichtszeit relativ leicht nachholen, indem das Wintersemester heuer erst im März endet und das Sommersemester erst Ende Juli. Dann gibt es halt einmal nur fünf Wochen Sommerferien – so what?
Das wäre ein schönes Solidaritätszeichen des Bildungsbetriebs gegenüber den Kindern, aber auch gegenüber allen anderen in diesem Land, die sich ebenfalls seit Monaten mit höchster Flexibilität und oftmals unter Einkommensverlusten durch das Ungemach dieser Pandemie kämpfen."

Nein, die Schulen und Kindergärten sperren nicht zu!, ist Sibylle Hamann, Bildungssprecherin der Grünen, bemüht das Grüne Koalitionsdilemma einzunebeln, das sich diesmal beim neuerlichen, von BK Kurz erzwungenen Lockdown der Schulen in einer harten Deutlichkeit zeigt. Dazu gab es von der Bildungssprecherin „ein paar Klarstellungen“:
1. Kindergärten und Schulen sind und bleiben offen für alle, die Betreuung brauchen. Nachweise dafür sind keine notwendig.
2. Schulen sind und bleiben offen für alle, die Unterstützung beim Lernen brauchen.
3. Dafür werden an den Schulen "Lernstationen" eingerichtet - hier gibt es Platz, technischen Support, und - am allerwichtigsten! - pädagogische Lernbegleitung, individuell oder in Kleingruppen.
4. All das kann tageweise oder fulltime (auch ganztags) genutzt werden - ganz nach Bedarf. Die Aufgaben, die andere im Distance Learning machen, werden jedenfalls in der Schule erledigt.
5. Je nach Anmeldungen werden ausreichend Lehrkräfte an den Schulen sein.
6. Auch die Lehrkräfte können gezielt jene Kinder in die Schulen holen, die Lernunterstützung brauchen. Damit uns - anders als im Frühjahr - diesmal ganz sicher kein Kind mehr verlorengeht.
Es war nicht einfach, in dieser dramatischen epidemioloigischen Situation eine Lösung zu finden, die allem gerecht wird - dem Recht auf Bildung, dem Schutz vor Ansteckungen, dem Wohlergehen von Kindern, Lehrkräften und Eltern (Anm. d. Red: und vor allem dem „Wunsch“ des Kanzlers).
Dass Hamann auf das Verbreiten von vorgefertigten Regierungsstatements ordentlich Kritik und Häme in der Social Media Community erntete, ist wohl kaum verwunderlich.


„Unehrlich und falsch“, sind für Beate Meinl-Reisinger (NEOS) die Behauptung der „türkis-grünen Bundesregierung“, „dass Kindergärten und Schulen im harten Lock Down nicht geschlossen werden“.
Reisinger begründet ihre Einschätzung:
Das Schultor soll zwar nicht zugesperrt werden, aber Unterricht wird in der Schule sicher nicht stattfinden. Schon im Frühjahr wurde diese Aussage der Bundesregierung mangels klarer Regeln an den einzelnen Bildungsstandorten unterschiedlich gehandhabt, was zu Verunsicherung und Unklarheit bei Familien geführt hat.
Wer seine Kinder zur Betreuung in die Schule schickt – um etwa selbst in zentralen Berufen arbeiten gehen zu können –, hat abends ziemlich sicher die Verantwortung, den Lernstoff durchzuarbeiten.
Die Bundesregierung setzt keine Maßnahmen, um einem drohenden Engpass an Pädagog_innen – etwa wenn diese selbst erkranken oder Kontaktpersonen sind – vorzubeugen. Distance Learning und Lern-Station drohen zu einem leeren Versprechen zu werden.
Das Ende des Unterrichts in der Klasse bedeutet nicht den Beginn des Unterrichts zu Hause, sondern - vor allem in bildungsferneren Familien - das Ende der Bildung für zehntausende Kinder.
Es gibt auch gar keine ausreichenden Pläne für altersgruppen-übergreifendes Lernen in den Schulen gibt.

 

ms

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