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Schule in Zeiten von Covid-19

Gerhard Pušnik  Bild:Joachim Wiesner - oeliug
Gerhard Pušnik Bild:Joachim Wiesner - oeliug

Was dürfen wir uns von Entscheidungsträgern und Politik erwarten?

 

Aufgegriffen von Gerhard Pušnik im Kreidekreis 7/2020

 

Die erfolgreiche Bekämpfung einer Pandemie, bei der die Mitarbeit der ganzen Bevölkerung gefordert ist, braucht eine  klare, nachvollziehbare und transparente Entscheidungsfindung. Politiker*innen und Entscheidungsträger*innen sind in schwierigen Zeiten nicht zu beneiden.


Gerade deshalb ist eine kritische Auseinandersetzung mit ihrem Vorgehen unerlässlich. Den Erwartungen zu entsprechen, den Entscheidungsdruck auszuhalten, politische Profilierung hintanzustellen, das richtige Maß zu finden, verantwortlich und dem Gemeinwohl entsprechend zu handeln, das ist auch für erfahrene, souverän agierende, weltgewandte, sozial denkende und demokratisch agierende Politiker*innen nicht ganz leicht. Derzeit ist von solchen Persönlichkeiten allerdings weit und breit nichts zu sehen.

Jenen, die den KREIDEKREIS in diesem Jahr verfolgt haben, sind unsere Kritikpunkte bekannt. Wir haben sie bereits zu Beginn der Pandemie aufgegriffen und in den Folgemonaten regelmäßig publiziert: Undifferenzierte zentrale Vorgaben; Last-Minute- Information; fehlende Transparenz, Planlosigkeit und Ignorieren von Einwänden und Vorschlägen haben sich in der Krise massiv ausgewirkt. Die Hauptlast wurde an den Schulen abgefangen.

Die zentralen Kritikpunkte am österreichischen Bildungswesen wurden wieder einmal bestätigt.

Die soziale Benachteiligung als Folge des diffe renzierten Schulwesens kann auch von konservativen Kreisen nicht mehr geleugnet werden.


Fehlentscheidungen wie der blauäugige Start ins Schuljahr 20/21 ohne spezifische Vorbereitung und ohne praktische Vorkehrungen fürs Abstandhalten, für Verdünnung und
Lüftungsmöglichkeiten haben sich fatal auf die Lern- und Unterrichtssituation an den Schulen ausgewirkt. Die Entkoppelung der Schulampel von der Ampel des Gesundheitsministeriums und deren beliebige Einstellung sind Symbol für das konzeptlose Vorgehen des Bildungsministeriums.

Das simple Top-down-Führungsmodell als einfältige Befehlskette von oben nach unten hat schlicht und einfach versagt. Die behauptete Schulautonomie ist eine Verhöhnung des Begriffs Autonomie und entpuppt sich als Feuerwehreinsatzmodell.

Auf das Eingeständnis, dass die ministerielle Führungscrew überfordert war und ist, darauf können wir lange warten. In Österreich herrscht die politische Unkultur des Leugnens und Abstreitens und die wird in der aktuellen Regierungskonstellation zu neuer Blüte gebracht.

Lehrer*innen wollen darüber infor- miert sein, wie Entscheidungen über Regeln im Schulbetrieb zustande kommen, und sie wollen auch mitbestimmen.
Weshalb hat sich das Bildungsmini sterium nicht schon längst selbst Qualitätskriterien auferlegt, die ein adäquates, zeitgemäßes und transparentes Vorgehen unterstützen würden?

Kriterien, die z.B.  danach fragen: Sind die Regeln und Vorschriften evidenzbasiert, wissenschaftlich abgesichert, nach bestem Wissen und nach heutigem Stand der Informationen nachvollziehbar und verhältnismäßig? Was waren die Gründe, die zu den Entscheidungen geführt haben?

Wer wurde in den Entscheidungsprozess mit einbezogen, wer hat an den Entscheidungen mitgewirkt? Welche Überlegungen waren ausschlaggebend? Welche Interessenskonflikte spielten mit?

Mit Pädagoginnen und Pädagogen (auch mit Eltern und Schüler*innen) müsste schon längst intensiv und ausführlich geredet werden, Fragen beantwortet, Ängste (ernst)genommen und praktikable Konzepte und Lösungen erarbeitet werden, damit das Schuljahr vielleicht noch eines wird, das den Namen auch verdient.

Gerhard Pušnik

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