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Heftige Kritik an Kimberger, dem oberstem Lehrer_innenvertreter der GÖD - zum fremdschämen.

Bild:spagra
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Heftige Kritik gab es heute an den Aussagen des obersten Lehrergewerkschafters Kimberger im Kurier. Er gab seine Vorstellungen preis:

Über Eltern als Erziehungsverpflichtende statt Erziehungsberechtigte und absurder Sanktionen, wenn sie die Pflichten entsprechend seiner Einbildung nicht erfüllen.

Für die aktiven Lehrervertreter_innen der VLI, UBG und ÖLI-UG sei Kimbergers Interview im Kurier einfach nur „zum fremdschämen“.
Der Vorsitzende der Pflichtschullehrergewerkschaft, Paul Kimberger, will „spürbare Konsequenzen für Eltern, die sich nicht an der Bildungsbiografie ihrer Kinder beteiligen wollen“. Das könne beispielsweise „durch eine Kürzung der Kinderbeihilfe“ erfolgen, sagte der Christgewerkschafter im „Kurier“ (Freitag-Ausgabe).

 

Gerhard Pušnik (UBG) fasst das Interview mit Kimberger zusammen:
Der Gewerkschafter verlangt laut dem Bericht eine Pflicht zur „individuellen Förderung“ von Vorschulkindern. „Von Schulen zu verlangen, an einem sehr belasteten Standort Chancengerechtigkeit herzustellen, ist illusorisch. Das wäre, als würde man von einem Arzt in einem Armenviertel verlangen, die Lebenserwartung seiner Patientinnen und Patienten auf das Niveau einer Luxuswohngegend zu bringen“, so Kimberger im „Kurier“.
Ob einem Kind daheim vorgelesen und mit ihm gesprochen werde oder Kinder nur vor Fernseher und Computer sitzen, mache einen „massiven Unterschied“ aus. Eltern, die sich nicht um ihre Kinder bemühen, sollten sanktioniert werden. Er denkt dabei an ein System analog zum Mutter-Kind-Pass.
„Für mich sind Eltern keine Erziehungsberechtigten, sondern Erziehungsverpflichtete. Wenn Eltern gegen die Interessen ihrer Kinder handeln und ihnen Chancen nehmen, dann hat der Staat die Pflicht, im Sinne dieser Kinder einzuschreiten“, sagte Kimberger. „Wenn trotz intensiver Beratung, guten Zuredens und vieler Informationen kein guter Wille erkennbar ist, dann sollte man auch über die Möglichkeit einer Kürzung von Transferleistungen nachdenken.“

Kimberger spricht nicht für die Lehrergewerkschaft!
Eine Klarstellung  der Aussagen Kimbergers und eine entsprechende Distanzierung davon ist unumgänglich. Denn Kimberger spricht nicht für die Lehrergewerkschaft: Es gibt 3 Fraktionen, davon die ÖLI und eine zweite Lehrer_innengewerkschaft neben der GÖD, die UBG. Für die UBG und ÖLI-UG sind Kimbergers Aussagen im Kurier, wie zum Beispiel die Forderung nach „spürbaren Konsequenzen“, also Sanktionen wie zum Beispiel die Kürzung der Kinderbeihilfe, wenn die Eltern „sich nicht an der Bildungsbiografie ihrer Kinder beteiligen wollen“, indiskutabel.

Timo Brunnbauer (ÖLI) teilte Paul Kimberger sein Missfallen über seine Aussagen per Mail mit:
Sehr geehrter Herr Vorsitzender!

Ich habe heute mit großer Verwunderung über deine Ideen zu möglichen Konsequenzen für Eltern, die sich offenbar nicht für ihre Kinder interessieren, gelesen. So etwas wie eine Sachebene konnte ich da allerdings nicht entdecken.

Ich muss gestehen: ich habe in letzter Zeit selten so Befremdliches gelesen. Einen unpassenderen "Vergleich" wie den folgenden muss man sich erst einmal zusammendenken: „Von Schulen zu verlangen, an einem sehr belasteten Standort Chancengerechtigkeit herzustellen, ist illusorisch. Das wäre, als würde man von einem Arzt in einem Armenviertel verlangen, die Lebenserwartung seiner Patientinnen und Patienten auf das Niveau einer Luxuswohngegend zu bringen“, so Kimberger im „Kurier“.

Selbstverständlich bedeutet eine umfassende ärztliche Betreuung die Erhöhung der Lebenserwartung der PatientInnen. Dies ist längst unbestrittene Tatsache. Und selbstverständlich ist es Aufgabe des österreichischen Sozialstaates, dafür zu sorgen, dass alle in Österreich lebende Menschen Zugang zur besten Versorgung haben müssen. Und eine ebenso egalitäre Rolle hat die österreichische Schule, der Kindergarten zu spielen.
Und wäre es nicht Ziel, diese belasteten Standorte mit mehr Ressourcen zu unterstützen? Ich denke, das ist eigentlich Forderung der Gewerkschaft. Allerdings wird dies mit diesen Aussagen nicht deutlich.

Mit Ideen, in den Mutter-Kind-Pass eintragen zu lassen, wie oft einem Kind etwas vorgelesen wird, wird wohl nichts zu erreichen sein. Zudem eine wahrlich absurde Vorstellung! Wird es Vorlesedetektive geben? Und ja, es ist sicher eine gute Maßnahme, prekäre Lagen durch die Kürzung von Transferleistungen noch zu verschärfen. Ich nehme an, du wirst das nicht wollen.

Ich erwarte mir eine Versachlichung und keine „Kicklisierung“ der Diskussion. Probleme, und ja, die gibt es in großer Zahl, an vielen Ecken und Enden, lassen sich nicht durch populistische Aussagen lösen. Das solltest Du wissen. Und das erwarte ich mir vom Vorsitzenden der Pflichtschullehrer_innengewerkschaft.

Als aktiver Gewerkschafter habe ich mich heute für dieses Interview im KURIER fremdgeschämt.

Mit besten Grüßen,
Timo Brunnbauer
Unabhängiger Gewerkschafter

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