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16. Februar. 2019: 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich

Wer hat in der Schule als Schüler*in von Anna Boschek, Gabriele Proft, Amalie Seidel, Emmy Freundlich, Adelheid Popp, Therese Schlesinger, Maria Tusch und Hildegard Burjan gehört?
Wer hat selbst im eigenen Unterricht als Lehrer*in diese Frauen erwähnt, über sie berichtet?

Am 16. Februar 1919 können wir 100 Jahre Frauenwahlrecht feiern.

 

Von Ilse M. Seifried

 

An diesem Tag wurden diese 8 Frauen in die Konstituierende Nationalversammlung der Republik Deutschösterreich gewählt. Das waren 4,7 % der Abgeordneten.

Um diesen Tag gebührend feiern zu können, braucht es Hintergrundinfos und Zeit, dieses Thema in den Vordergrund zu stellen und zu diskutieren, den Bogen über 100 Jahre bis in die Gegenwart zu spannen!


Ö1 bringt im Februar und März 2019 viele Sendungen zum Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“

 

Auch auf der Parlamentswebsite sind viele Informationen unter diesem Link .../PERK/FRAU/PION/.... zu finden:

  •   Gründerin der Caritas Socialis: Hildegard Burjan (1883 – 1933)
  •  Pionierin der Gewerkschaft: Anna Boschek (1874 – 1957)
  •  Einzige Frau in der Wirtschaftssektion des Völkerbundes: Emmy Freundlich (1878 – 1948)
  •  Vom Weberkind zur politischen Leitfigur: Adelheid Popp (1869 – 1939)
  •  Parlamentarierin der Ersten und Zweiten Republik: Gabriele Proft (1879 – 1971)
  •  "Zentralküchen" für Arbeiterfamilien: Therese Schlesinger (1863 – 1940)
  •  Mit 17 Jahren organisiert sie einen Streik: Amalie Seidel (1876 – 1952)
  •  Für Straffreiheit der Abtreibung: Maria Tusch (1868 – 1939)

Mit 52 Porträts (52% der Bevölkerung sind weiblich) greift Ö1 das Thema auf und gibt Frauen Aufmerksamkeit, Raum und Zeit.
Eine Auswahl:

  • Dr.in Ingrid Leodolter war erste Oberärztin an der medizinischen Abteilung des Wiener Allgemeinen Krankenhauses und 1972 Ministerin, die den Mutter-Kind-Pass einführt und damit in einem Jahr die Säuglingssterblichkeit um 13 Prozent senkte.
  • Hildegard Burjan war die Gründerin des Verbands der christlichen Heimarbeiterinnen, des Vereins Soziale Hilfe, sowie der Schwesternschaft "Caritas socialis". „Liegt nicht eine tiefe Symbolik darin, dass wir Frauen die politische Gleichberechtigung gerade in dem Augenblick bekommen, da unser Vaterland so tief darniederliegt?...“
  • Waltraud Klasnic wurde 1996 wurde als steirische Landeshauptfrau die erste Frau an der Spitze eines österreichischen Bundeslandes. “Ich nehme für mich in Anspruch, in Österreich die Erste gewesen zu sein, die die anonyme Geburt und die Babyklappe vorgeschlagen hat. Jetzt gibt es das in ganz Österreich. Man muss die Frauen verstehen, aber auch den Müttern und Kindern helfen.”
  • Freda Meissner-Blau kandidierte neben Kurt Waldheim für das Amt des Bundespräsidenten. Sie war Mitbegründerin der Grünen und zog mit ihnen ins Parlament ein. Sie gilt als Galionsfigur der Ökologiebewegung in Österreich.
  • Helene Postranecky war Unterstaatssekretärin für Volksernährung in der provisorischen Regierung Renner und erste Frau in einer österreichischen Bundesregierung.
  • Grete Rehor wurde 1966 erste Ministerin Österreichs für soziale Verwaltung. NR-Sitzung vom 22. März 1961: “Lassen Sie mich zum Ausdruck bringen, dass auch die Geduld der Frauen Grenzen hat. Wenn besondere Gesetze für Frauen geschaffen werden sollen, dann wollen wir gleichbehandelt werden, wie wenn für die Männer besondere Gesetze geschaffen werden.”
  • Shifteh Hashemi-Gerdehi war von 2011 bis 2014 Wirtschaftsreferentin im Grünen Parlamentsklub, 2018 Sprecherin des Frauenvolksbegehren 2.0. Sie nennt sich selbst “Lobbyistin für das gute Leben für alle”.
    „In unserem Schulunterricht hat man nie etwas von Frauenbewegungen oder Frauenpolitik gehört. Diese individuelle Verortung als Frau in der schon lange vor uns bestehenden Frauenbewegung ist bildungspolitisch kein Anliegen. Die muss man sich individuell erarbeiten.”
  • Johanna Dohnal war Staatssekretärin für allgemeine Frauenfragen und wurde 1990 die erste Bundesministerin für Frauenangelegenheiten. „Die Hauptforderung ist grundsätzlich gleiche Teilhabe und gleiche Rechte für Frauen.“ 
    “Für mich war klar, was ich verändern muss, damit Frauen als Menschen erster Klasse und nicht als Menschen zweiter Klasse leben können, mit zugewiesenen Rollen und Funktionen, die sie zu erfüllen haben was Mann ihnen anschafft."
    "In Männergesellschaften besteht weitgehend Konsens darüber, dass Frauen in erster Linie über íhren Körper, über ihre Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht, definiert werden. Das wiederum bedeutet in einer Gesellschaft, in der es noch nicht lange her ist, dass Frauen ihre gesetzlich festgelegten ehelichen Pflichten zu erfüllen hatten und Vergewaltigung in der Ehe straffrei war, nichts anderes als das Recht auf die Reduzierung der Frau zum Sexualobjekt. …“
    “Ich habe mein ganzes Leben darum gekämpft, dass es kein Frauenbild gibt. Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, sich sein Leben gestalten zu können, wie er will…..Das ist ja Politik, die Frau in dieses Segment zu treiben und zu drücken.“

Aus: https://oe1.orf.at/frauenwahlrecht100
 
Ich hoffe und wünsche mir, dass dieser Beitrag anregt, sich in unsere parlamentarische Geschichte zu vertiefen, darüber zu diskutieren und somit zum Thema zu machen!
100 Jahre lang in Österreich keine Bundeskanzlerin!
100 Jahre lang in Österreich keine Bundespräsidentin!
100 Jahre Frauenwahlrecht und in Österreich immer noch keine gelebte Realität Halbe: Halbe!

Fair aufgeteilte Haushaltsarbeit, Kindererziehung, Pflegetätigkeiten, …
50 % aller politische Ämter in Frauenhand
50 % aller leitende Positionen im öffentlich (Universitätsdirektorinnen, Universitätsprofessor*innen,…) wie wirtschaftlichen (Aufsichtsrätinnen, Vorstandsvorsitzende, …)

Das bedeutet, dass noch viel Engagement von uns allen nötig ist, um das Ziel umgesetzter Gleichberechtigung zu erreichen!

 

Ilse M. Seifried
https://www.i-m-seifried.at/

 

Weiterführende Links:
https://www.parlament.gv.at/WWER/PAD_88386/Reden/20181218_Auftakt100JahreFrauenWR.shtml
https://www.parlament.gv.at/ZUSD/PDF/2005_Volksvertreterin.pdf
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20090428_OTS0204/adelheid-popp-wegbereiterin-der-frauenbewegung-autodidaktin-mit-willenskraft-und-idealismus
http://www.politischebildung.com/pdfs/26_ellmeier.pdf
https://www.onb.ac.at/forschung/ariadne-frauendokumentation/frauen-waehlet/die-frau-als-waehlerin-und-politikerin-1918-bis-1919/frauen-im-parlament
http://www.demokratiezentrum.org/themen/genderperspektiven/pionierinnen/pionierinnen-politik-gallery.html?index=1468
https://derstandard.at/2000073022764/Schieflage-bei-der-Mitbestimmung-von-Frauen-im-Parlament
http://www.politik-lexikon.at/oesterreich1918plus/1919/
höre: https://www.mediathek.at/frauenstimmen/bis-1934/eine-grosse-chance/  !!!

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