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Korb für Faßmann: Stefan T. Hopmann lehnt Mitarbeit an Lehrplanreform ab

Hopmanns Appell an Faßmann  Bild:spagra
Hopmanns Appell an Faßmann Bild:spagra

Stefan T. Hopmann, Professor für Bildungswissenschaft an der Universität Wien, begründet in einem offenen Brief an Bildungsminister Heinz Faßmann, weshalb er die Einladung zur Mitarbeit an der geplanten Lehrplanreform ablehnt.

 

DIE FURCHE hat den öffentlichen Brief unter dem Titel „Blumenpflücken mit Mähdreschern - veröffentlicht.

Hopmann stellt bereits im ersten und zweiten Absatz klar, dass Faßmanns kurze Beschreibung, worum es bei der geplanten Lehrplanreform* geht – nach dem letzten Interview des Bildungsministers im FALTER (siehe „Was hat sich seit ihrer Volksschulzeit geändert, Herr Bildungsminister? „Gar nicht so viel““ ), ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass es sich dabei nicht um pädagogische, sondern um Umsetzungsvorgaben rein politikstrategischer Ziele der türkisblauen Regierung handelt - und seine Erfahrungen** als Bildungswissenschaftler, vor allem im Bereich „Lehrpläne und ihre Wirkung“, es ihm unmöglich machen, an einem Begleitgremium (einem sogenannten „Sounding Board“) für die geplante Überarbeitung aller Lehrpläne die Einladung zur Mitarbeit mitzumachen.
In der Folge untermauert Hopmann seine Ablehnung in einer spannenden Argumentationslinie:

  • Was gewollt ist
  • Was Lehrpläne können
  • Was Lehrpläne nicht können
  • Was geschehen wird

Der Bildungswissenschaftler Hopmann beendet seinen offenen Brief an Faßmann mit einem dringlichen Appell an eben diesen: „Wenn schon nicht als Politiker, können Sie vielleicht als Vater noch einmal überdenken, ob Sie eine Reform verantworten wollen, die nachkommenden Generationen schaden wird. Auf jeden Fall hoffe ich, dass Sie in dieser Perspektive verstehen, warum ich nicht Geräuschkulisse („Sounding Board“) für eine Politik sein will, die die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder mutwillig gefährdet."

Lesenswert!

* Was gewollt ist: Das Einladungsschreiben formuliert in bewundernswerter Kürze, worum es geht: „Die Lehrpläne sollen auf wesentliche Bildungsziele reduziert und stärker kompetenzorientiert ausgerichtet werden. Eine klare Zielstellung der Weiterentwicklung ist auch eine deutliche Verknüpfung von Lehrplänen und Leistungsbeurteilung.“ auch
** … herzlichen Dank für die Einladung Ihres Hauses, an einem Begleitgremium (einem sogenannten „Sounding Board“) für die geplante Überarbeitung aller Lehrpläne der Volksschule, der Mittelschule und der AHS-Unterstufe mitzuwirken. Lehrpläne und ihre Wirkung sind mein Thema. Seit über dreißig Jahren habe ich mich an solchen Verfahren beteiligt und dazu empirisch, historisch und international vergleichend geforscht. Seit zehn Jahren bin ich Herausgeber der international bedeutendsten wissenschaftlichen Zeitschrift auf diesem Gebiet, des Journal of Curriculum Studies. Aber gerade diese Vorkenntnisse machen es mir unmöglich, Ihre Einladung anzunehmen.

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