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Türkis-blaue Bildungspolitik: 1 Handbreit – die neue Maßeinheit

".... liegt keine vollständige Verhüllung vor, wenn die Haare vom Ansatz weg deutlich zu erkennen und in der Länge von zumindest einer Handbreite zu sehen sind, unabhängig davon ob es sich um die Stirnpartie oder den Nacken handelt ..." BMBWF  Bild:spagra
".... liegt keine vollständige Verhüllung vor, wenn die Haare vom Ansatz weg deutlich zu erkennen und in der Länge von zumindest einer Handbreite zu sehen sind, unabhängig davon ob es sich um die Stirnpartie oder den Nacken handelt ..." BMBWF Bild:spagra

Kommentar (im Kreidekreis)

 

von Katharina Bachmann und Gerhard Pušnik

 

Gerade erschien ein Rundschreiben des BMBWF, das den korrekten Umgang mit dem Kopftuchverbot für Volksschülerinnen vorgibt. Darin wird sehr ausführlich und genau dargestellt, welche Kopfbedeckung in der Schule nicht erwünscht ist. Es bedarf vieler Worte, um das Ziel genau zu treffen. So heißt es in diesem Rundschreiben:


„Der Unterrichtsausschuss des Nationalrates hat sich mit der Frage, was unter diesem Begriff (Anm. ‚Verhüllung des Hauptes‘) zu verstehen ist, intensiv beschäftigt und in seinem Bericht an den Nationalrat festgestellt, dass darunter, jede Art von Bekleidung verstanden (wird), die das gesamte Haupthaar oder große Teile dessen verhüllt.  Daher   fallen   beispielsweise die jüdische Kippa und auch die Patka, die von Sikhs in diesem Alter getragen wird, nicht unter diese Regelung.“


Um alle möglicherweise auftauchenden Zweifel und Fragen der Lehrer*innen im Vorhinein schon auszuschließen, erfolgt im weiteren Verlauf des Rundschreibens eine detaillierte Erklärung dessen, was denn ein vollständig verhülltes Haupt ist: „Eine vollständige Verhüllung des Kopfes liegt jedenfalls dann  vor,  wenn der Kopf so verhüllt wird, dass das Haupthaar nicht mehr zu sehen ist. Auch wenn einzelne Haarsträhnen oder der Haaransatz noch zu sehen sind, ist von einer vollständigen Verhüllung auszugehen. Im Gegensatz dazu liegt keine vollständige Verhüllung vor, wenn die Haare vom Ansatz weg deutlich zu erkennen und in der Länge von zumindest einer Handbreite zu sehen sind, unabhängig davon ob es sich um die Stirnpartie oder den Nacken handelt, sowie Kinn und Hals im Ausmaß eines Rollkragenpullovers frei sind.“


Ein Problem, das uns Lehrer*innen schon jahrelang unter den Nägeln brannte, ist damit endlich gelöst. Die Handbreite macht den Unterschied. Gott sei Dank sind wir mit keinen grö- ßeren Problemen in unserem Schulall- tag konfrontiert.

 

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass zusätzliche sinnhafte Aufgaben für Schulleiter*innen und Bildungsdirektionen warten: Bei Verstoß gegen das Kopftuchverbot „hat die Schulleiterin bzw. der Schulleiter unverzüglich die jeweils zuständige   Bildungsdirektion zu verständigen. Diese hat die Er- ziehungsberechtigten unverzüglich, jedenfalls innerhalb von 4 Schultagen, zu einem verpflichtenden Gespräch zu laden. In dem Gespräch sind die Gründe für den Verstoß zu erörtern. Zur Vermeidung weiterer Verstöße sind die Erziehungsberechtigten über ihre Verantwortung aufzuklären; dies ist schriftlich festzuhalten und der Schulleiterin bzw. dem Schulleiter zur Kenntnis zu bringen.“


Das Ende der Fahnenstange ist allerdings noch nicht erreicht, denn: Sollten die Gesprächstechniken ihre Wirkung verfehlen und „findet nach dem Gespräch ein weiterer Verstoß“ statt, dann ist das „von der Bezirksverwaltungsbehörde mit einer Geldstrafe bis zu 440 €, im Fall der Uneinbringlichkeit mit Ersatzfreiheitsstrafe   bis zu zwei Wochen zu bestrafen.“

 

Spätestens hier wird deutlich, dass Kickl nicht nur Innenminister war!

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